Die Hornkapsel

  • ca. 500g schwer
  • Keratin mit 5% Schwefel
  • 5 Lederhautteile: Saum-, Kron-, Wand-, Sohlen-, Strahllederhaut
  • Saumband: Glasurschicht. Kann 60% des Eigengewichtes an Wasser speichern
  • Kronlederhaut bildet dicke, harte Schutzschicht (Wand)
  • Wandlederhaut: Verbindungsschicht, 600 Blättchen, je mit ca. 120-200 Nebenblättchen zur Oberflächenvergrößerung (1m²)
  • Sohlenlederhaut produziert Sohlenhorn
  • Strahl: elastisch, kann 40% seines Gewichtes Wasser speichern

  

Strahlfäule

  • entsteht durch mangelnde Sauberkeit und Pflege, Feuchtigkeit (waschen), Luftabschluss (Bakterien), Pilze, Tiefstreuboxen etc.
  • Umwandlung des Hornes in schmierige, übelriechende Masse
  • im schlimmsten Fall typische Ringe an Hornkapsel
  • mittlere Furche tief
  • typisch bei engen Hufen
  • Behandlung:
    • "Taschen" und loses Horn nachschneiden
    • nicht bis aufs Blut schneiden
    • Sauberkeit, Trockenheit
    • Waschen mit Kernseife
    • Desinfektion mit Jodoformäther 10%, Kupfersulfat (-vitriol) 8%, Socatyl-Salbe, evtl. Wasserstoffperoxyd (nachteilig, da feucht)
    • barhuf laufen lassen zur Strahlmassage
    • bei großflächiger Lederhautfreilegung TA. Deckeleisen, Druck auf Strahl, sonst Hufkrebs
    • Tetanusschutz

  

Lose Wand

  • Trennung von Wand und Sohle an der weißen Linie
  • bis Hufbeinsohlenrand, also im Zehenbereich ca. 1cm, im Trachtenbereich ca. 3cm hoch möglich
  • ist mehr als halber Huf betroffen: "getrennte Wand"
  • 3 Ursachengruppen: Innere Ursachen, chemische/thermische Prozesse/Einflüsse, mechanische Belastung
  • entsteht durch:
    • chronische Hufbeinentzündung (z.B.: Vollhuf)
    • mangelnde Sauberkeit und Pflege, Feuchtigkeit (waschen), Luftabschluss (Bakterien), Pilze, Tiefstreuboxen etc.
    • weite Hufe (schräge Wände)
    • Fehlbelastungen (an den weiten Stellen)
    • Beschlagsfehler (starkes Aufbrennen, schiefes Eisen etc.)
    • Trockenheit, spröde Hufe
  • Behandlung:
    • Aufklärung des Pferdehalters
    • Reinigung (mechanisch und waschen)
    • regelmäßige Desinfektion
    • Trockenstellen
    • Hohlstellen mit Hanfteer stopfen
    • kein Kleben von Hufschuhen, kein Kunsthorn
    • Beschlag: leichte, geschlossene Eisen mit Hanfeinlage und Lederplatte zur Stoßdämpfung, dünne Hufnägel ggf. Eisen für den weiten Huf
    • regelmäßig beschlagen

  

Wandfäule

  • schlechtes (sprödes oder weiches) Horn durch schlechte Huf- und Stallpflege, zu vieles Fetten etc.
  • schwierig in den Griff zu bekommen
  • Behandlung:
    • Wand stehen lassen (zum Tragen)
    • Hufe reinigen und desinfizieren (Jodoformäther oder Hufbäder)
    • Beschlag ähnlich wie für lose Wand: dünne Nägel, leichte, geschlossene Eisen
    • Gefahr der Vernagelung ist groß
    • Hufschuh kleben nur nach entsprechender Vorbereitung

  

Hohle Wand

  • Zusammenhangstrennung in der Hornwand, bis zur Krone hoch möglich
  • von außen nicht unbedingt erkennbar
  • ausgelöst z.B. durch Trauma (Erschütterung, Anschlagen) nicht Stellungsgebunden, aber vor allem beim engen Huf, da weniger Kitthorn, weniger Elastizität
  • tritt an den steiler stehenden Wandabschnitten auf
  • Trachtenfußung
  • Gefahr der Hufbeinrotation (Röntgen!)
  • Behandlung:
    • bei mäßiger Ausdehnung: Reinigung, Desinfektion, Ausstopfen mit Hanfteer
    • geschlossenes Eisen, hohe Aufzüge, Huflederkitteinlage, Schwebe an betroffener Stelle
    • bei umfangreicher Ausdehnung: Abtragen der Wand durch TA
    • Beschlag wie oben, nageln in gesunden Wandabschnitten
    • evtl. Kunsthorn (Vorsicht wegen Fäulnis und Nähe zu Lederhaut)

  

Hornspalten

    Zusammenhangstrennungen der Hornwand in Längsrichtung
  • Zehen-, Seiten-, Trachten-, Eckstrebenspalten
  • Tragerand- und Kronrandspalten, durchgehende(-laufende) Hornspalten
  • oberflächliche (Windrisse), tiefe (Röhrchenschicht) und durchdringende (Blättchenschicht) Hornspalten
  • Ursachen:
    • entstehen durch Fehlbelastungen in der Hornkapsel (starke Fehlstellungen)
    • zu schmale, enge, unregelmäßig gerichtete Eisen
    • Kronenranddefekt
  • Behandlung:
    • Spalten müssen herunter wachsen
    • Hufzubereitung: Fesselstand, außer bei extremer Fußung
    • Querrinne tief und hoch genug (Riss ist in der Tiefe höher)
    • Freischneiden wegen Fäulnis
    • Kleben bringt nichts, evtl. Drahten oder Schrauben
    • Biotin und Zinkgabe
    • Seitenwandhornspalt: Schwebe, geschlossenes Eisen, Huflederkitteinlage
    • bei durchlaufendem Riss: wieder Arbeiten, wenn mind. 1,5cm runter gewachsen
    • bei durchdringendem Riss bis an Lederhaut: Tierarzt
    • bei Eckstrebenbrüchen bzw. Strahl-Eckwandspalten: evtl. OP

  

hornspalt1khornspalt2k
Seitlicher Hornspalt vor der Behandlung (li.) und nach der Behandlung, verklebt (re.)

  

Hornkluft

  • Defekt in Hornwand in Querrichtung
  • entsteht nach Kronsaumverletzung
  • unproblematisch wenn nicht zu tief, evtl. Freischneiden, Sauberhalten

  

Hornsäule

  • säulenförmige Hornzubildung im Bereich der weißen Linie
  • im unteren Wandbereich: Hornbeule oder -schwiele
  • kann vom Tragerand bis zur Krone gehen
  • häufig im Zehenwandbereich
  • kann zu chronischen Huflederhautentzündung und Hufbeindeformation führen oder diese auslösen
  • nichteitrige Hornsäule: weiß; eitrige: dunkle Stelle
  • Ursachen: Kronentritt, Vernagelung, Hornspalten
  • bei Lahmheit OP, Beschlag mit geschlossenem Eisen mit Huflederkitteinlage, Schwebe und Seitenaufzügen
  • bei großflächiger Abtragung der Zehenwand Gefahr des Ausschuhens

  

Hufkrebs

  • chronische Störung in der Hornbildung durch die Lederhaut, mangelnde Verhornung
  • meistens am Strahl, nicht zu verwechseln mit Strahlfäule (!)
  • lockeres, schmierig-käsiges, übelriechendes Horn
  • blumenkohlartige Lederhaut mit Blutungen
  • selten nur an einem Huf
  • Hinterhufe sind häufiger betroffen
  • schwere Rassen deutlich öfter als leichtere
  • Lahmheit möglich
  • Ursache: fraglich. Entwicklung aus Strahlfäule umstritten. Genetische Anfälligkeit möglich
  • Behandlung:
    • veränderte Horn- und Gewebeteile entfernen (TA)
    • Tupfer und Gipsverband 10 Tage wegen Druck
    • Deckeleisen wenn nur an Sohlenfläche

  

hufkrebs1khornspalt-front1k
Hufkrebs (li.), Hornspalt (re.)

  

Kronentritt, Ballentritt

  • Verletzung der Krone oder des Ballens durch Tritt
  • Folgen: Hornkluft oder Kronsaumdefekte (Hornspalte, -säule)
  • Behandlung: Scheren, Freischneiden, Verband, evtl. OP
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